Pert Peeves II
Android Enshittification
Im Moment ist - mindestens in der Android Entwicklergemeinde - eine grössere Diskussion im Gange, weil Google angekündigt hat, im Herbst die Vorschriften für Entwickler zu ändern: Neu muss die Identität jedes Entwicklers bei Google registriert sein (inklusive Bestätigung mit einem offiziellen Dokument / Foto und einem Obolus für die Registration!) und es sollen dann nur noch Applikationen von solchen registrierten Benutzern auf Android Geräten installierbar sein - egal über welchen Weg sie auf das Gerät kommen.
Abgesehen von der Verletzung der Persönlichkeitsrechte der Entwickler hätte Google mit diesem Mechanismus dann die vollständige Kontrolle darüber, welche Applikationen auf Androidgeräten installierbar sind und könnte nicht genehme(*) Applikation und Entwickler trivial aussperren.
Das alles wird unter dem Mäntelchen der "Verbesserung der Sicherheit und des Schutzes der Anwender" verkauft, es geht aber de-facto nur um die Wahrung der eigenen Pfründe und die erweiterte Monetarisierung der Android Infrastruktur - ein typische Beispiel für die immer weiter gehende "Enshittification" Androids.
Es wäre eigentlich ganz simpel, dieses prädatorische Verhalten zu unterbinden, indem zwei Regeln (über Vorschriften?) festgelegt würden:
- Trennung von Mechanism und Policy: Die Basisinfrastruktur soll im konkreten Fall die Mechanismen zur Installation von Applikationen bereit stellen - welche Kriterien aber über die Zulässigkeit zur Installation einer Applikation bestimmen, ist nicht die Aufgabe des Mechanismus, sondern die Aufgabe eines separaten Installationsprogramms, welches aber prinzipiell vom Benutzer frei wählbar ist.
Anders gesagt: Das Installationsprogramm implementiert mit Hilfe der vom Mechanismus bereitgestellten Methoden die für das Installationsproramm gültigen Regeln und kann dort z.B. auf obligatorische Signaturen und weiters mehr bestehen.
- Keine bevorzugte Behandlung von vorinstallierten Apps: Auch wenn der Playstore (und youtube und linkedin und chrome und ...) vorinstalliert auf einem Gerät mitkommt, muss es möglich sein, diese Komponente komplett zu entfernen - wie das bei allen später installierten Apps ja auch geht.
Das ist kein Argument gegen vorinstallierte Apps - es ist kein Problem, wenn der Playstore (oder Xiaomii-store oder Huawei-store oder FDroid, oder Chrome oder Linkedid, oder ...) bereits bei der Auslieferung vorhanden sind, aber es muss dem Anwender möglich sein, Anwendungen, die er nicht benötigt / haben will zu entfernen. Diese Regel würde auch das lästige Problem der Bloatware auf Androidgeräten lösen und nebenher auch die Verschwendung von Speicherplatz durch Updates der unveränderbaren, vorinstallierten Applikationen.
(*) Der Begriff "nicht genehm" ist hier im weitesten Sinne zu verstehen: Wenn Googles Meinung nach eine Applikation oder ein Entwickler politisch, oder als Konkurrent, oder "aus Gründen der Moral", oder ..., oder ..., oder ... nicht passt, kann Google nach eigenem Ermessen und ohne Widerspruchsmöglichkeit die App oder den Entwickler komplett blockieren.